Infantino: Hoffnungsträger oder hoffnungsloser Fall?

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“FIFA has gone through sad times, moments of crisis, but those times are over. We need to implement the reform and obviously we need to implement good governance and transparency.”[1]

Es ist besonders das letzte Wort - Transparenz - welches aus der Antrittsrede von Gianni Infantino, dem neuen FIFA-Präsidenten, nachklingt. Eine transparente FIFA, endlich. Mit Gianni Infantino als reformierenden Präsidenten an der Spitze. Was wäre das schön.

Seitdem sind nun rund 2 Monate vergangen. Um Transparenz ging es auch in seinem neuesten Statement. Wieder verspricht er Transparenz und Aufklärung. Der Unterschied: Diesmal geht es nicht um die Affäre Anderer, sondern um ihn selbst. Konkret geht um die Vergabe der Fernsehrechte der Championsleague 2006 - 2009 für Ecuador. Infantino, damals noch als Chef der Rechtsabteilung der UEFA, unterschrieb 2006 den Vertrag mit der Firma „Cross Trading“. An sich noch nichts Besonderes, schließlich unterschrieb er wohl hunderte solcher Verträge. Beim genaueren Hinsehen ergeben sich jedoch 2 Umstände, welche stutzig machen. Einerseits wurden die Rechte damals von der UEFA für 140 000 Euro an Cross Traiding, eine Briefkastenfirma, verkauft, welche sie dann für 440 000 Euro weiterverkaufte, also für mehr als das Dreifache. Einfach geschickt verhandelt von Cross Traiding? Vielleicht. Es ist jedoch der zweite Umstand, welcher zweifeln lässt. Der Name, welcher in Druckbuchstaben links von Infantinos Unterschrift steht: Hugo Jinkis, der Eigentümer von Cross Traiding. Der Mann, der von den USA wegen Korruptionsvorwürfen verhaftet wurde und der im Verdacht steht, massiv FIFA-Funktionäre bestochen zu haben. Es ist außerdem der Mann, mit dem Infantino noch 6 Tage vor den Panama Enthüllungen angeblich nie etwas zu tun gehabt hat. Wiederholt betonte er, weder persönlich noch die UEFA in seiner Zeit als Generalsekretär mit Hugo Jinkis und seiner Firma Cross Trading geschäftlich oder anderweitig zu tun gehabt zu haben. Das Blöde: Die Panama Papers beweisen das Gegenteil. [2]

Transparenz und Ehrlichkeit sieht anders aus. Angetreten als selbsternannter Hoffnungsträger und Reformator ist nun Infantino selbst in Erklärungsnot geraten. Dabei gäbe es so viele Stellen, an denen Transparenz stark vonnöten wäre. Über den genauen Vorgang bei der Vergabe der Fußball WM 2006 an Deutschland gibt es immer noch keine Klarheit. Wofür genau waren die mysteriösen 6,7 Millionen, welche im Zusammenhang mit der WM Vergabe geflossen sein sollen? [4] War es Zufall, dass Daimler (durch Mercedes Benz einer der wichtigsten Sponsoren des DFB) kurz vor der Entscheidung bei Hyundai einstieg und damit bei der Firma des Vaters von Funktionär Chang? War es Zufall, dass in jenen Tagen grünes Licht gegeben wurde für eine Lieferung von 1200 Panzerfäusten an das Saudische Königshaus, welchem der Funktionär Al-Dabal angehörte? Gestimmt haben beide für Deutschland. [3]

Für den südamerikanischen Fußball, wäre ein FIFA-Präsident, der für Transparenz steht, mindestens genauso wichtig. Denn geht es in Deutschland um 6,7 Millionen, geht es dort um rund 200 Millionen Dollar an Bestechungszahlungen, welche bei der Vergabe von Vermarktungsrechten für die Copa America geflossen sein sollen. Gegen zahlreiche südamerikanische Funktionäre ermittelt inzwischen das FBI. [5]

Die Liste an Baustellen der FIFA ließe sich dabei noch beliebig weiterführen. Nichts wünscht sich der Fan da sehnlicher als einen Präsidenten, der für einen Neuanfang steht und der glaubhaft einen Wechsel proklamieren kann. Einen Präsidenten, der endlich einmal aufräumt mit den verkrusteten und korrupten Strukturen. Einen Präsidenten, der ebenso wie seine Organisation für ehrliche und offene Arbeit steht. Denn es ist die FIFA, die zukunftsweisende Entscheidungen über jenen Sport trifft, der Hunderte Millionen Menschen weltweit begeistert. Menschen, denen es seelisch wehtut, sich auf eine WM in Katar einzustellen. Die sich eine neue FIFA wünschen. Und genau das ist der Grund, weshalb man Infantino so gerne glauben möchte, wenn er einmal wieder von mehr Transparenz redet. Und doch nicht kann.

 

Christoph Reischmann

Anti-Corruption International

 

Quellen:

1)     http://www.thepostgame.com/fox-sports/201602/gianni-infantino-gives-first-speech-fifa-president

2)     http://panamapapers.sueddeutsche.de/articles/5703d45aa1bb8d3c3495b6c6/

3)     http://www.sueddeutsche.de/sport/korruption-bei-der-fifa-wie-deutschland-die-wm-bekam-1.1413203

4)     https://www.tagesschau.de/sport/wm-vergabe-101.html

5)     http://www.nzz.ch/sport/fifa-korruptionsskandal/die-falschen-freunde-des-fussballs-1.18657849